Gruppe der 28er

,,Alles muss klein beginnen”, so heißt es in einem zeitgenössischen Kirchenlied. Den kleinen Betrag von 28 Pfennigen ( jetzt 15 Cent ) pro Tag in eine Sparbüchse einwerfen, das ergibt am Jahresende die Hälfte dessen, was ein Mensch in vielen Ländern der Welt zum Überleben braucht.

Das kleine ostafrikanische Land Malawi gehört zu den zehn ärmsten Staaten der Welt. Hilfsbedürftig erscheinen vor allem viele Kinder, die durch AIDS zu Waisen geworden sind. Eine Zukunftschance definiert sich für die Kinder Malawis – wie überall – über Schulbildung und Berufsausbildung.
Diesen elementaren Grundgedanken haben sich die evangelische Johannesgemeinde in Freigericht und ,,Helfen macht Schule e.V.”, die entwicklungspolitische Aktion der Kopernikusschule Freigericht, zu Eigen gemacht, um gemeinsam Schulprojekte in Afrika zu unterstützen. Die Sammlungen der „28er ( Jahresergebnis 2006 : ca. €1390, -) werden durch Spenden der Kopernikusschulgemeinde jährlich auf €3000,- aufgestockt und kommen einer hilfsbedürftigen Grundschule in Malawi zugute.
Errichtet wurden in den letzten Jahren mehrere Gebäude und Toiletten für die Chimwembe Primary School in dem Ort Jana, etwa 20km südlich von Blantyre in Südrnalawi, so dass nun mehr Kinder eine Grundschulausbildung erhalten können. Unsere Aufmerksamkeit gilt jetzt, nach Abschluss des vorangehenden Projektes, der Kama Mlambe Primary School, die sich in Lirangwe (40 km nördlich von Blantyre ) befindet. Auch hier fehlen für die gegenwärtig 717 Schüler/innen Schulgebäude und Toiletten. Als erster Schritt ist in 2007 ein neues Schulgebäude geplant
(Größe 9 x 7 m ) sowie eine Anzahl dringend erforderlicher Toiletten. Geleitet und überwacht wird der Ausbau der Schule von GEAMOC e.V.
( = German Educational Assistance to Malawian Orphan Children / Deutsche Hilfe für Malawische Waisenkinder ).
Es besteht ein regelmäßiger Kontakt zwischen den Entwicklungsvereinen ,,Helfen macht Schule” und ,,GEAMOC“, so dass wir stets davon unterrichtet sind, was mit den Spendengeldern aus Freigericht geschieht. Die Summe kleiner Beitrage erweist sich als wirksame Hilfe für Schulkinder in Malawi, die ohne diese Unterstützung weniger Zukunftschancen hätten.

Herzlichen Dank an alle ,,28er“!
(Wer an der Sammlung teilnehmen mochte, erhält eine von Konfirmanden und Konfirmandinnen schön gestaltete Büchse im Gemeindebüro der Johannesgemeinde.)

Werner Kessler


Reisebericht aus 2018

Maria mit ihrem Großonkel

Schulgeld für Maria

Mitte Juli sind wir als 14-köpfige Studienreisegruppe von Mitgliedern des Vereins „Helfen macht Schule“ nach Tansania gereist. Wir wollten gerne einmal sehen, was der Verein schon alles seid seiner Gründung im Jahr 2002 in der Secondary School in Kishumundu und im VTC (Le-Mennais Vocational Training Centre (VTC) – einem Berufsbildungszentrum – der Schulbrüder von Ploërmel in Moshi am Fuße des Kilimandscharo-Gebirges bewirkt hat. Neben dem Errichten und Instandhalten von Schulanlagen unterstützt „Helfen macht Schule“ auch arme tansanische Familien, damit sie ihre Kinder für den verpflichtenden Zeitraum von 7 Jahren zur Grundschule schicken können. Der Besuch in der Grundschule ist zwar kostenlos, aber die oft sehr armen Familien müssen Geld für das schulische Mittagessen, die Schuluniform und Schreibmaterialien von zusammen ca. 35 € pro Jahr aufbringen, was ihnen oftmals kaum gelingt. Im Zweifelsfall müssen dann zuerst die Mädchen zuhause bleiben und sind von höherer Bildung ausgeschlossen.

An einem Nachmittag unseres Aufenthalts in Moshi haben wir in fünf kleinen Gruppen jeweils drei bis vier besonders arme Familie besucht und Ihnen Geschenke in Form von Kleidung, Spielsachen und einer multifunktionalen Solarlampe gebracht. Schon allein der Weg dorthin war sehr abenteuerlich. Die Straße ist oft aus rotbraunem Lehm und sehr holprig. Das letzte Stück des gebirgigen Weges ließ sich nur noch zu Fuß bewältigen. Die Schulkinder müssen bei Wind und Wetter, auch während der Regenzeit, eine Stunde und länger durch den unwegsamen Urwald laufen, um zur Grundschule zu gelangen. Nachmittags, nach Schulende, laufen sie dann den selben Weg wieder zurück nach Hause. Die Kinder nehmen diese Strapazen ohne Murren auf sich. Sie gehen sehr gerne zum Unterricht. Die Kleinen wissen bereits, dass die Schulbildung für sie der einzige Weg ist, eines Tages aus ihren ärmlichen Verhältnissen herauszukommen.

Begleitet von Mr. Mangesho, einem Englischlehrer der Kishimundu Secondary School, der uns als Dolmetscher für die in Tansania weitverbreitete Sprache Kiswahili ins Englische diente, suchten wir, unter anderen, die Grundschülerin Maria Meikel auf. Das 13-jährige Mädchen beendet nächstes Jahr die Grundschulzeit und möchte danach ihre vierjährige Schulausbildung in der Kishumundu Secondary School fortführen. Ein Mitglied von „Helfen macht Schule“ hat sich bereiterklärt, die dafür jährlich anfallenden Kosten für Unterricht und Unterbringung von ca. 600 US-Dollar zu übernehmen.
Maria lebt mit Ihrer Großmutter in einem einfachen kleinen Steinhaus mit Wellblechdach. Strom gibt es nicht. Nebenan ist ein Holzverschlag mit einer Toilette. In einem weiteren Holzverschlag steht eine hagere Kuh. Der Vater von Maria ist der Kishumundu Secondary School nicht bekannt. Ihre Mutter sorgte nur phasenweise für das Kind. Sie hielt sich zeitweise in der Großstadt Dar Es Salaam auf und ging dann, nachdem sie mit einem anderen Mann verheiratet war, ohne Ihre Tochter weg. Die Großmutter sorgte zunächst für das Mädchen und finanzierte den Lebensunterhalt durch den Verkauf von Bananen und Tomaten, sowie zeitweise von Brennholz. Sie ist aber jetzt dazu kaum mehr in der Lage. Ihr Mann, Marias Großvater, ist tot. Bei unserem Besuch wurde Maria vom Bruder des Großvaters betreut.

Dr. M. Bauer, H. Pohlmann, K. Brieden, Mr. Mangesho, K. Röder besuchen Maria Meikel und Ihren Großonkel

Die Armut dieser und die der anderen drei Familien, die wir besuchten, haben mich tief berührt. Eine solche Armut habe ich zuvor noch nicht direkt zu Gesicht bekommen. Es ist, meiner Meinung nach, effektiv und sinnvoll „Helfen macht Schule“ für ihr ehrenamtliches Engagement mit Spenden zu unterstützen, weil sich dieser Verein auch immer darum kümmert, dass die gespendeten Gelder Vorort nachweislich und nachhaltig eingesetzt werden.
Die „Gruppe der 28er“, eine stille aber wirkungsvolle Gruppe von Menschen der  Johannesgemeinde legt jeden Tag 14 Cent in eine Büchse, so dass es in einem Jahr zu einem runden 50 € Schein anwächst. Das Geld der Büchsen wird  im Gottesdienst am 1. Advent zusammengetragen. Der Gesamtbetrag wird schon seid einigen Jahren dem Verein „Helfen macht Schule“ für seine Aktivitäten in Tansania und Malawi übergeben. Wer sich noch nicht zur „Gruppe der 28er“ zählt und gerne mitmachen möchte, kann sich eine der Büchsen, die im Foyer der Johanneskirche stehen, mitnehmen oder sich auch selber zu Hause eine eigene Spendenbüchse gestalten.

Karl Brieden