Gottesdienst-to-go

Die Aktion “Gottesdienste-to-go” wird zu Pfingsten beendet. Alle bisherigen Gottesdienste-to-go finden Sie weiterhin hier.

Jeder ist demnach herzlich eingeladen, zu Hause die Andacht lesen, das vorgeschlagene Lied zu singen und das abgedruckte Gebet mitzubeten. Auf diese Weise feiern wir im Freigericht zwar anders als gewohnt, aber dennoch Gottesdienst und bleiben untereinander verbunden.


Exaudi am 24.5.

Liebe Gemeinde, „Höre, Gott“ so können wir den Sonntag Exaudi eine Woche vor Pfingsten übersetzen. Wir warten auf den Heiligen Geist, der uns als Tröster versprochen wird.

Psalm 27

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir.
Mein Herz hält dir vor dein Wort: „Ihr sollt mein Antlitz suchen.“
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!
Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, meines Heils!
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der Herr nimmt mich auf.
Herr, weise mir deinen Weg
und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.
Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde!
Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf
und tun mir Unrecht.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.
Harre des Herrn!
Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Gebet

Herr Jesus Christus, du König der Herrlichkeit,
du bist erhöht über alle Welt.
Wir bitten dich:
Lass uns nicht allein,
sondern sende uns den Geist, den du verheißen hast,
dass er uns in aller Anfechtung tröste
und dahin bringe, wohin du uns vorangegangen bist.
Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste
lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Bibelvers
Höre, spricht Gott:
Ich will mit dir einen Bund schließen: Ich werde meine Weisung in dein Inneres legen, in dein Herz werde ich sie schreiben. Ich werde dir Gott sein und du wirst mir zugehören.
Jeremia 31,33

Der Besuch
Mittagspause in meiner Küche. Im Stehen schmiere ich mir schnell ein Brötchen. Im Radio läuft wieder ein Corona- Update. Ich erspare Ihnen jetzt die Details. Ich war kurz davor, das Programm zu wechseln. Man will ja schon wissen, was genau los ist, ob wir wieder ein Schrittchen weiter vor die Tür dürfen und all so was. Aber ich kann´s auch alles nicht mehr hören. Es war einer von den Tagen, an denen die Tränen direkt hinter dem Herzen sitzen. Einer von den Tagen, an denen auch die Sonne meine Sorgen nicht vertreibt. Ganz in Gedanken war ich. Da saß er plötzlich da.
An meinem Küchentisch. Dem kleinen Klappding, auf das gerade mal zwei Teller passen, höchstens drei, wenn wir zusammenrücken. Krümel überall, ein Kaffeefleck vom Frühstück, mein Trostblumensträußchen lässt die Blättchen fallen.
Da saß er, ziemlich groß in meiner kleinen Küche und schob den zweiten Hocker zu mir rüber. „Friede sei mit dir“, sagte er. Und ich – zum Glück in Fulda unter Katholiken aufgewachsen, murmelte ein „und mit deinem Geiste.“
Oder wie sagt man, wenn der „Heiland“ kommt.
Da saß er. Seltsam. Fremd. Ziemlich viel Blütenstaub auf der Jacke, die Füße in Sandalen. Er roch nach Wohnzimmern und Pflegebetten, nach Sonne und Gras. Ich goss ihm einen Kaffee ein und stellte die Erdbeeren ungewaschen zwischen uns.
„Dass du zu mir kommst.“, sagte ich. Und dachte an die Familien, in denen gerade alles durcheinander ist. An meine Freundin, die ihren mürrischen Vater pflegt. An die Kinder, die zu Hause nicht mehr sicher sind. An die alleinerziehende Mutter, die vor Erschöpfung weint. An die vielen Alleinlebenden, denen gerade das Leben wegrutscht.
„Jetzt bin ich bei dir.“, sagte er, griff die Tasse und pustete hinein. „Erzähl mal.“
Da kam dann doch einiges zusammen. Ich kam gleich zu Sache. War ja klar, dass er nicht viel Zeit haben würde. Ich erzählte. Über alles. Auch all das, was ich nicht schaffte. Die Sorgen, die ich mir machte. Die Menschen, die ich nicht unterstützen konnte, weil ich nicht zu ihnen darf. Und weil ich genug damit zu tun habe, mein eigenes kleines Leben unter die Füße zu kriegen. Da flossen auch Tränen. Er beugte sich zu mir, nickte, griff ab und zu meine Hand. „Ja“, sagte er, „ja“.
Ich kam dann auch noch zu den schönen Dingen. Auch das wurde eine lange Liste. Und wir vergossen ein paar Freudentränen.
„Ich muss dann mal weiter“, sagte er schließlich. „Will noch zu den anderen.“ „Ja“, sagte ich, „ja.“
„Wann sehen wir uns wieder?“, fragte ich ganz mutig.
„Wann du willst“, sagte er. „Wenn du magst, stell mir einen Teller hin. Vergiss das Brot nicht. Und wenn du willst kannst du sagen „Komm Herr Jesus, sei unser Gast … Du weißt schon.“
Sprach’s, lächelte und steckte sich eine Erdbeere in den Mund.
Im Flur blickte er mich noch einmal an: „Fürchte dich nicht. Denk an unseren Bund.“ und lief dann
schwungvoll die Treppe hinunter.
Seither sehe ich überall Regenbogen.

Fürbittengebet
Sende deinen Heiligen Geist, dass wir die Geister unterscheiden lernen.
Sende deinen Heiligen Geist, dass er die bösen Geister vertreibe.
Sende deinen Heiligen Geist, dass wir den Mut finden,
der Ungerechtigkeit zu widerstehen.
Sende deinen Heiligen Geist, dass er Glauben und Hoffnung in uns wecke.
Sende deinen Heiligen Geist, dass deine Gemeinde Heimat wird für die, die dich suchen.
Jesus Christus, sende deinen tröstenden Geist und gehe mit uns heute und allezeit.

Vater Unser

Segen

Es segne und behüte uns der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Entwurf: Variation nach Pfarrerin Annegret Zander, EKKW


Rogate am 17.5.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet. So heißt der Wochenspruch mit dem dieser Sonntag und die kommende Woche überschrieben ist. Und der Name des Sonntags fordert uns auf: Betet! Tun wir das noch, oder wieder, oder schon immer? Beten ist eine starke Kraftquelle, auch für Ungeübte, denn wir können uns Worte leihen. Die des Vaterunsers!

Psalm 66
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft
noch seine Güte von mir wendet. Halleluja.

Kommt her, höret zu alle, die ihr Gott fürchtet;
ich will erzählen, was er an mir getan hat.
Zu ihm rief ich mit meinem Munde
und pries ihn mit meiner Zunge.
Wenn ich Unrechtes vorgehabt hätte in meinem Herzen,
so würde der Herr nicht hören.
Aber Gott hat mich erhört
und gemerkt auf mein Flehen.

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft
noch seine Güte von mir wendet. Halleluja.

Gebet

Gott, unser Vater,
du wartest auf unser Gebet.
Wir aber wissen oft nicht, was wir beten sollen.
Hilf unserer Schwachheit auf durch deinen Geist
und schenke uns Frieden und Heil in ihm.
Wir bitten dich im Glauben an Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geiste
mit dir lebt und wirkt in Ewigkeit.

Impuls
Not lehrt beten, sagt man. Und in dieser Corona-Zeit haben viele Menschen wieder angefangen zu beten. Weil die Angst um die alten Eltern, aber auch um die Kinder und Enkel groß ist, weil die Sorge um den Arbeitsplatz Menschen nicht mehr los lässt, weil da die Furcht ist: Kriegen wir die Pandemie überhaupt in den Griff, oder was wir die Zukunft bringen?

All das und noch vieles mehr hat in einem Gebet Platz. Das Gebet kann ein Schrei sein, ein Stoßseufzer, eine Bitte: Herr hilf…. Es können wenige Worte sein, es können viele Worte sein. Überall, wo man liegt, geht, sitzt oder steht kann man beten, kann man mit Gott sprechen.

Das Gebet verbindet, es stellt eine Beziehung her, eine intime und vertrauensvolle. Man rechnet jedenfalls mit jemandem, der einen hört, man rechnet mit Gott, dass er einem beisteht, dass er für einen da ist, dass er zumindest einem zuhört.

Das Gebet, das Reden mit Gott, mit Jesus, es lässt einen aussprechen, was einen umtreibt, es entlastet, es lässt zur Ruhe kommen.

Und es zeugt von Vertrauen – man geht davon aus, ja, man weiß: Da ist einer der hört mir zu, bei dem kann ich mich fallen lassen, ohne in Abgründe zu fallen, ohne verlassen zu sein. „Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“ (Mt. 6,8)

Und gerade solch ein Vertrauen, das gibt Kraft. Angst isst nämlich die Seele auf. Vertrauen hält dagegen. Zu diesem Vertrauen lädt Jesus ein, ihm in diesem Vertrauen zu folgen. Das Vaterunser ist eine Hilfe zum Beten und will dem Menschen, der es nachspricht, helfen, die liebende Nähe des Vaters zu entdecken.

Angst und Sorge, sie sind Teil unserer Grundbefindlichkeit, sie gehören zu unserem Leben, zu unserer Existenz, zu unserem Dasein.

Wir sind hineingeworfen in diese Welt, mit ihren dunklen Seiten, mit ihren schönen Seiten. Wir sind hineingeworfen in diese Welt, mit ihren unendlichen Möglichkeiten, zum Guten, zum Bösen.

Wir sind Teil dieser Welt und gestalten, bauen sie mit – ein klein wenig zumindest. Wir sind in der Welt, in der Geschichte, wir schreiben mit, sind aber auch ausgeliefert. Das haben wir gerade in den letzten Wochen erlebt. Und das macht Angst. Ausgeliefert zu sein, das bedroht, das ängstet. Wie steht es um den Arbeitsplatz, das Einkommen, die Gesundheit…. Was bringt die Zukunft? Was kann nicht alles über einen kommen? Über die Menschheit, die Erde? Schuldenberge, Krankheit, Abschiede, Arbeitslosigkeit, Umbau des Sozialsystems…… Ja, die Angst isst die Seele auf. Angst kann zu Resignation führen, da wieder Kraft zu gewinnen, einen festen Stand, und Vertrauen, dafür ist das Gebet, das ist ein starkes Hilfsangebot. Beten heißt nicht zu resignieren, sondern Kraft schöpfen, auftanken.

Ich kann meine Sorgen aussprechen, sie mir vom Herzen beten und Abstand zu ihnen gewinnen. So ist das Gebet ist eine Lebensquelle, wo man verbrauchte Energien auftanken und einen anderen Blick für Sorgen und Probleme gewinnen kann. – Nicht dass diese dann weg wären, aber: Das Gebet kann zur Lösung anregen und inspirieren, man kann sich aussprechen, wird so frei.

Das Gebet, das innig intime Gespräch mit Gott will Kraft geben und einen Ruhe verspüren lassen, es hilft, Beziehungen neu zu sortieren, es will so eine Art inneren Frieden geben, um dann tatkräftig die Welt gestalten zu können, den Sorgen zu widerstehen, sich nicht von ihnen aufsaugen zu lassen und die Probleme als Herausforderungen angehen zu können.

Und dabei hilft uns gerade dieses Gebet, das uns Jesus gegeben hat: Das Vater unser. Es ist das Gebet, bei dem in wenigen Worten vor Gott gebracht wird, was wir brauchen: Das tägliche Brot, Vergebung, Schutz, Hoffnung und Gottes Nähe. Dieses Gebet umfaßt das ganze Leben mit all seinen Höhen und Tiefen; und es ist das Gebet, das die ganze Welt umspannt und uns mit unseren Geschwistern im Glauben über Länder, Sprachen und Kontinente hinweg verbindet. Darum können wir, wenn uns die eigenen Worte fehlen, uns in dieses Gebet fallen lassen, und mit Jesus zusammen voller Vertrauen beten: Vater unser im Himmel.

Amen.

Lied: EG+ 54: Unser Vater

Fürbittengebet mit Vater unser
Jesus Christus, du hast uns gelehrt, wie wir beten können. Darum kommen wir zu dir und beten dich an zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist und rufen:

VATER UNSER IM HIMMEL.

Erschrocken sind wir darüber, wie oft dein Name missbraucht wird. Menschen führen in deinem Namen Kriege, üben Hass und Gewalt. Wir bitten dich, dass wir und alle Verantwortlichen lernen, in Wort und Tat dich zu ehren und zu fürchten.

Darum beten wir:

GEHEILIGT WERDE DEIN NAME.

Wir sehen das Leid, das durch das Corona-Virus verursacht wird, nicht nur bei uns, sondern vielfach gravierender in vielen Ländern der Erde. Menschen könnte mehr geholfen werden, wenn Armut und Unverstand nicht im Wege stehen würden. Wir bitten um deren Überwindung und beten:

DEIN REICH KOMME.

Wir sehen, wie die ganze Schöpfung ächzt durch unsere Ausbeutung, wir sehen die Zerstörung der Regenwälder und die Gefährdung des Klimas. Wir bitten für deine ganze Schöpfung, Wasser, Erde und Luft, für die Pflanzen und Tiere und rufen zu dir:

DEIN WILLE GESCHEHE, WIE IM HIMMEL, SO AUF ERDEN.

So vielen Menschen fehlt es am Nötigsten zum Leben, Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf und die Zuwendung von anderen. Für sie alle und auch für uns bitten wir dich:

UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE.

Immer wieder werden wir schuldig an dir und an unseren Mitmenschen. Manchmal gewollt, manchmal ohne Absicht verletzen wir uns. Wir bitten dich für uns alle, die wir schuldig werden und die wir unbarmherzig sind im Umgang mit anderen:

VERGIB UNS UNSERE SCHULD, WIE AUCH WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN.

Macht, Geld und Reichtum, das sind die Versuchungen, die uns und so viele dazu treiben, zu tun, was nicht gut ist. Wir bitten dich für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, aber auch für jede und jeden von uns:

FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG, SONDERN ERLÖSE UNS VON DEM BÖSEN.

All das, was uns sonst bewegt, bringen wir nun in der Stille vor dich.

– Stille –

So vertrauen wir uns miteinander dir an und preisen dich:

DEIN IST DAS REICH UND DIE KRAFT UND DIE HERRLICHKEIT IN EWIGKEIT. AMEN.

Segen

Und so segne und behüte uns der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.


Kantate am 10.05.2020

Liebe Gemeinde!
Wir kommen vor Gott mit allem, was uns sorgt und niederdrückt, mit allem, was uns freut – trotz der schwierigen Zeit. Wir sind getrost und leben aus dem Vertrauen, dass Gott mit uns ist. Ob wir allein sind oder in Gemeinschaft – Gott ist da in jedem Ton: Im Brummen der Bienen, im Gezwitscher der Vögel, im Lachen der Kinder, in unserem Summen, in der Melodie unseres Lebens.
In Gottes Namen feiern wir diesen Sonntag. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm 98 „Singet dem Herrn, rühmet und lobet“

Singet dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
*Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr läßt sein Heil kundwerden;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
* Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,
aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
*Lobet den Herrn mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem Herrn, dem König!
*Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen frohlocken,
und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;
denn er kommt, das Erdreich zu richten.
*Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist. Amen

Gebet

Gott, wir bitten Dich um Dein Erbarmen:Denn, wie oft stehen wir uns selbst im Weg,
wenn es darum geht Dich zu loben, Dir zu danken und zu vertrauen.
Wir fürchten uns vor der Meinung der anderen,
wir meinen, wir hätten dazu auch wenig Grund.
Darum brauchen wir Deinen Geist,der uns die Furcht nimmt, der uns die Augen öffnet
für die Wunder und Schönheiten seiner Schöpfung.
Gott, mit unserer Musik, mit unseren Worten, unseren Taten
wollen wir Dich loben.
Das tun wir, weil Du uns in Jesus deine Liebe offenbart hast,
weil Dein Geist in uns stark sein will,
stärker als alle Menschenfurcht, stärker als all unser Versagen.
Darum danken wir Dir und beten*:
Vater im Himmel,
du läßt uns jeden Morgen neu die Sonne schauen.
Wir bitten dich: Mach uns froh in deiner Güte, damit wir dich loben,
heute Morgen mit allen Sinnen
und dann in der kommenden Woche mit allem, was wir reden und tun.
Durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes
lebt und Leben schenkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Angedacht
Liebe Gemeinde,
was ist das für ein Sonntag heute! Ein Sonntag der Gegensätze, der Widersprüchlichkeiten, auch mancher Widerstände – ein Sonntag, so wie im richtigen Leben, würde ich mal sagen.
Es ist Muttertag. Und obwohl die Kitas bis auf die Notbetreuung noch geschlossen sind, weiß ich, dass ganz viele Kinder wie verrückt am Basteln sind, und Frau Bechtold freut sich in ihrem Blumenladen, dass wieder so richtig viel los sein wird nach den vergangenen Wochen.

Ich freue mich auch, denn ich besuche dann mit Fug und Recht, gemäß der 10. Verordnung zur Bekämpfung des Corona-Virus, endlich wieder meine Eltern in Langenstein (mit Bastelei und Blumenstrauß, natürlich!) – und alle dürfen mit!
Und deswegen mag ich den Muttertag in diesem Jahr ganz besonders, auch weil ich an die vielen, vielen Mütter denke, die uns durch die letzten Wochen und Monate geholfen haben als Erzieherinnen, Pflegerinnen, Arzthelferinnen, Krankenschwestern, Hebammen, Ärztinnen, und Verkäuferinnen – und ich hoffe, dass die Mütter in politisch verantwortlichen Positionen auch tatsächlich dafür sorgen, dass alle Menschen in systemrelevanten Berufen endlich angemessen entlohnt werden – vor allem die Mütter!

Dann fällt mir ein: War denn der Muttertag nicht eine Erfindung der Nazis? Ich schaue bei Wikipedia nach und stelle erleichtert fest: Nein! Der Muttertag kommt aus den USA (ja, es kommt auch mal was Gutes aus den USA) und wurde dort von zwei Frauen der Methodistenkirche ins Leben gerufen. Die Nazis haben ihn dann dreißig Jahre später für ihre Zwecke umgemünzt und missbraucht – wie so vieles.

Dann fallen mir die Mütter vergangener Zeiten ein. All die Frauen im Krieg, die Kriegswitwen, die verwaisten Mütter, die Trümmerfrauen, die Flüchtlingsfrauen…meine Großmutter… und die verschleppten, vergewaltigten und ermordeten Frauen in den deutschen KZs.

An diesem Wochenende denken wir hier in Deutschland ganz besonders an das Ende des 2. Welt-Krieges, an den 8. Mai vor 75 Jahren. Kapitulation – hat man das in meiner Kindheit noch genannt. Erst der Bundespräsident Richard von Weizäcker sprach 1985 vom „Tag der Befreiung“ – der Befreiung von nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Das sorgte für Aufsehen und gab einen wichtigen Impuls für die Aufarbeitung der schrecklichen Verbrechen an all den Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Neigung, ihrer Herkunft als Sinti und Roma, ihrer Behinderung, aufgrund ihrer politischen Gesinnung oder auch ihres jüdischen Glaubens ermordet wurden.

Ein Projekt der Aufarbeitung ist das weltweit größte dezentrale Mahnmal der Welt. Ein Künstler hier aus Hessen, aus Alsfeld, hat es entwickelt: Die Stolpersteine: Gunter Demnig. Es gibt sie auch in Gelnhausen – seit 1992 werden sie verlegt. In 26 Europäischen Ländern. Am 29. Dezember des letzten Jahres hat er den 75.000sten Stolperstein in Memmingen verlegt. Großartig und tief beeindruckend. Wenn er gefragt wird, warum die Steine ausgerechnet Stolpersteine heißen, dann zitiert er gerne einen Schüler, der geantwortet hat: Nein, nein, man stolpert nicht und fällt hin. Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“

Was für ein Sonntag, liebe Gemeinde!

Wir feiern Gottesdienst, nennen ihn vorsichtig Andacht, und natürlich feiern viele von uns zuhause mit und freuen sich an den digitalen Angeboten, die es jetzt gibt. Aber ein Teil der Gemeinde ist auch in die Kirche gekommen – endlich geht es weiter: analog, in Fleisch und Blut. Wir können uns sehen, hören, riechen – wir sind „in echt“ hier. Und das ist einfach unersetzlich. Und darüber freuen wir uns, heute am Sonntag „Kantate“ – darum lasst uns fröhlich singen, wie uns eben bereits der Psalmbeter aufforderte.
Geht nicht, Coronazeit.
Da wird nicht gesungen – zumindest nicht in der Kirche!
So ist das eben, liebe Gemeinde, so ist das eben manchmal im Leben. Manchmal ist es voller Widersprüche und scheinbarer Gegensätze. Und wie man es trotzdem schafft, damit zurecht zu kommen?
Ich würde sagen: Mit Humor, mit Geduld, mit Achtsamkeit für den Augenblick und mit einer Portion Chuzpe!
Darum lasst uns fröhlich singen mit dem Herzen und hingebungsvoll summen mit unseren Stimmen: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud!“

Amen.

Lied: Geh aus, mein Herz (EG 503 – so viel Strophen singen, wie man möchte! Es gibt 15 🙂 )

Fürbitten und Vaterunser
Wir danken dir, Gott, für die Musik, heute ganz besonders,
denn Musik macht uns froh, sie hilft uns Dich zu loben.
Ein frohes und dankbares Lied fällt uns nicht immer leicht.
In unser Danken bricht oft die Klage,
in unsere Freude die Sorge.
Aber deine Treue ist alle Morgen neu, deine Liebe ist ohne Grenzen,
du bist bei uns auch in den Tagen der Not und der Anfechtung,
der Hoffnungslosigkeit und des Schmerzes.
Darum preisen wir deine Barmherzigkeit und singen dein Lob.
Wir denken auch an die Menschen,
denen Leid und Sorgen den Mund verschlossen haben;
die nicht singen, sondern seufzen;
die nicht loben, sondern weinen.
Wir denken an die Mutlosen, die Einsamen,
die Kranken, die Trauernden.
Wir bitten dich, barmherziger Gott:
Lass auch sie wieder einstimmen
in das Lied des Glaubens und der Hoffnung.
Segne den Dienst aller, die in der Kirchenmusik tätig sind,
dass ihr Singen und Musizieren mithelfe,
dein Rufen zu hören, deine Liebe zu verstehen,
deine Gnade anzubieten und dein Evangelium zu verkündigen.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten, die uns Jesus Christus selbst gelehrt hat: Vater unser im Himmel…

Segen

Der Herr segne Dich. Er erfülle Deine Füße mit Tanz und Deine Arme mit Kraft. Er erfülle Dein Herz mit Zärtlichkeit und Deine Augen mit Lachen. Er erfülle Deine Ohren mit Musik und Deine Nase mit Wohlgerüchen. Er erfülle Deinen Mund mit Jubel und Dein Herz mit Freude. Er schenke Dir immer neu die Gnade der Wüste, Stille, frische Wasser Er gebe uns allen immer neu die Kraft der Hoffnung ein Gesicht zu geben.
Amen.

Verfasst von Pfarrerin Bettina von Haugwitz/Niedermittlau


Ökumenische Andacht am 3.Mai 2020

Liebe Gemeinde,

der Herr sein mit Euch! Vor etwa fünfzig Jahren, nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, hat die katholische Kirche den Guten-Hirten-Sonntag um eine Woche verschoben. Für diese Entscheidung gab es durchaus einen guten Grund: Zuerst sollten in den Sonntagsgottesdiensten nach Ostern die Evangelien von den Erscheinungen des auferstandenen Herrn vorgelesen werden und erst dann das Evangelium vom Guten Hirten. Darum ist in dieser ökumenischen Andacht heute schon wieder vom Guten Hirten die Rede. Ich finde es schön, noch einmal an Ihn erinnert zu werden: Unseren Hirten. Der Psalm, der zu diesem Sonntag gehört, ist ein Gebet für alle Lebenslagen. Wir wollen ihn beten:

Psalm 23 (EG 711/GL 37)

Der Herr ist mein Hirte,
nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl,
du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang
und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott,
dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen
als der Gute Hirte.
Geleite auch die Herde,
für die er sein Leben hingab,
aus aller Not zur ewigen Freude.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
Amen.

Impuls

Du deckst mir den Tisch,…

…so überträgt die Einheitsübersetzung den hebräischen Text. Ganz gleich in welcher Übersetzung: Ich mag den Text. Vielleicht weil ich gedeckte Tische mag? Als Kind hat meine Mutter mir den Tisch gedeckt. Nach einem Schultag, an dem so ziemlich alles schief gelaufen ist, war das sehr tröstlich. Ich freue mich noch heute, wenn jemand den Tisch für mich deckt. Eine schöne Tischdecke, Servietten, brennende Kerzen machen mir Freude. Sie zeigen mir, dass es jemand gut mit mir meint. Manchmal steht auf dem Tisch etwas, wonach ich gerade besonders Hunger oder Durst habe. Dann frage ich mich erstaunt: Woher hat der andere nur gewusst, wonach ich mich heute gesehnt habe? Zum Glück kann ich selber einkaufen, was ich zum Leben brauche. Wenn es sein muss auch mit Mundschutz! Doch darum geht es gar nicht. Es geht um das Gefühl, dass jemand für mich sorgt, dass jemand weiß, was ich brauche, noch bevor ich es aussprechen kann. Dieses Gefühl gibt es nicht zu kaufen. Dieses Gefühl ist unbezahlbar.

Manchmal, wenn ich in eine Kirche komme – und als Pfarrer habe ich viele Gelegenheiten dazu – dann schaue ich zum Altar und denke: „Du deckst mir den Tisch.“ Ich freue mich über die weiße Tischdecke und spüre, da ist etwas für mich darauf. Probieren Sie es aus, wenn Sie, wie ich, gedeckte Tische mögen! Immer wieder bin ich erstaunt, dass ER so genau weiß, was ich brauche. Ich weiß es ja selbst oft nicht. ER ist der Gute Hirte. Es ist doch schön zu spüren, dass sich jemand, um dich sorgt. Manchmal ist es nur ein Gefühl. Manchmal ist es ein fester Glauben. Doch in jedem Fall ist es unbezahlbar.

EG 222/ GL 216 „Im Frieden dein“

Fürbitten und Vaterunser

Jesus, du bist der gute Hirte.
Du bist gekommen, damit wir das Leben in seiner ganzen Fülle haben.
Decke deinen Tisch mit Geduld und Liebe für alle,
die erschöpft sind vom Dienst an den Menschen.
Decke deinen Tisch mit Frieden,
für alle, die müde sind vom Kämpfen, für eine gute Sache,
Decke deinen Tisch mit Freude,
für alle, die enttäuscht sind, weil all Ihr Mühen vergeblich erscheint.
Decke deinen Tisch mit Hoffnung, Glauben und Zuversicht,
für alle, die warten auf die Beantwortung ihrer Gebete.
Decke deinen Tisch für uns, Herr, damit wir dir folgen können,
wohin du uns rufst.
Und gemeinsam beten wir mit den Worten, die uns Jesus Christus selbst gelehrt hat:

Vater unser im Himmel…

Segen

Jesus Christus, der Herr, sei bei dir und beschütze dich.
Er gehe vor dir her und geleite dich,
er stehe hinter dir und schirme dich
Er schaue dich gnädig an, bewahre dich und segne dich.
Es segne dich der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Verfasst von Pfr. Christoph Rödig/ Freigericht und Hasselroth


Ökumenische Andacht am 26. April 2020

Liebe Gemeinde!
Der Friede Gottes sei mit Euch allen. Amen.

Mit den besten Wünschen zum heutigen Sonntag, Miserikordia Domini (Gnade des Herrn) evangelischerseits und dem 3. Sonntag der Osterzeit katholischerseits, grüßen wir Sie und Euch von Herzen.
Der Sonntag wird gerne in Verbindung gebracht mit dem guten Hirten, ein passendes Bild, da wir in Zeiten leben, in denen wir auf gute Führung und Begleitung durch die Corona-Krise hoffen.

Psalm 23 (EG 711)

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Gebet

Treuer Gott, du hast uns deinen Sohn gesandt:
Jesus, den guten Hirten,
der uns sammelt,
der uns den Weg weist,
der uns schützt in Gefahr.
Wir bitten dich: Gib uns deinen Geist,
dass wir die Stimme des Hirten erkennen
und ihm folgen auf dem Weg in das ewige Leben.

Impuls
„Er wird es schenken, dass du wieder lachen kannst und dass du vor Freude jubelst.“ Hiob 8,21

In den letzten Wochen bekomme ich von vielen Freunden immer wieder kleine Cartoons und Videoclips zugesendet, die witzige Kommentare in der Coronazeit darstellen. Klopapierrollen, Atemschutzmasken, Quarantäne werden Gegenstand des Schmunzelns und Lachens.

Mir fällt dabei auf, dass die großen Themen im Leben, die auch durch Humor verarbeitet werden, Grenzerfahrung sind. Achten Sie mal darauf, dass die meisten Witze, die erzählt werden, von Tod und Sexualität handeln. Grenzerfahrungen, mit denen wir Hoffnungen und Befürchtungen verbinden. Genau so ist das bei Corona. Wie sollen wir das aushalten mit all den Einschränkungen, Ängsten um Gesundheit und Existenz, Leib und Leben, Planungsunsicherheiten – wenn wir nicht auch mal den ganzen Sorgen ins Gesicht lachen können?

Walter Kolb, der erste Oberbürgermeister von Frankfurt nach dem 2. Weltkrieg hatte angesichts der zerstörten Stadt einen legendären Satz gesagt: „Es ist zum Heulen – aber Heulen bringt uns nicht weiter.“ Nun – das war nach dem Krieg. Wir sind noch inmitten des Kampfes gegen Corona – aber auch uns bringt Heulen nicht weiter und wenn wir uns geduldig der Situation stellen, die noch Monate dauern wird, dann brauchen wir dazu einen guten Hirten in Jesus Christus, der in uns Menschen wirken möge: in funktionierenden und achtsamen Regierungen, in Mitmenschlichkeit füreinander und Nächstenliebe, in Geduld und Kreativität, wie es auch viele Kirchengemeinden derzeit gestalten!

Mir hilft dabei das Gottvertrauen in den guten Hirten: Wir sind nicht allein im Boot, wir sind nicht allein in der Herde – und wir dürfen der Krise auch mal ins Gesicht lachen – das zeigen die kleinen Clips und Witze.

Das ist auch wichtig für unsere sogenannte Psychohygiene, für die Sorge um unsere Seele. Ich kann mich dem guten Hirten anvertrauen und er wird meine Seele wieder zum Lachen bringen. Und das Lachen entspannt nicht nur körperlich durch das Muskelspiel sondern löst ebenso die Krämpfe und Erstarrung in unserer Seele.

Liebe Gemeinde, Humor ist durchaus systemrelevant – gerade in der Krise. Auch wenn uns das Osterlachen im Halse stecken geblieben ist. Humor kann ein Wegbegleiter sein in der Krise.

Aber es sollte immer ein menschenfreundlicher Humor sein, gemessen an dem Gottesbild, das uns durch das Leben geleitet. Aus diesem Grund steht auch ein Satz aus dem tragisch-weisen Buch Hiob über und unter diesen Gedanken. Hiob hat sein Leiden mit Geduld getragen und uns am Ende doch die Größe und Weite Gottes gelehrt. Auf diesen Gott vertrauen wir: „Er wird es schenken, dass du wieder lachen kannst und dass du vor Freude jubelst.“

Amen

Lied EG 432 „Gott gab uns Atem“

Fürbitten und Vaterunser

Gott, dein Sohn kommt uns nahe als der gute Hirte.
Er weist uns den Weg und schützt vor allem Argen.
In vielen Stunden spüren wir, dass er mit uns geht.
Das gibt uns Mut und Zuversicht, dich zu bitten
für alle, die uns in diesen Corona-Zeiten neue Wege weisen und für sie Verantwortung übernehmen,
für alle, die Schutz brauchen und Ermutigung,
für alle, die in die Irre geführt werden und verzweifeln,
für alle, die verlassen sind und ungeduldig,
Hilf uns und ihnen, dass wir uns deiner Führung anvertrauen.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten, die uns Jesus Christus selbst gelehrt hat:

Vater unser im Himmel…

Segen

Die Weisheit Gottes erfülle deine Seele.
Die Barmherzigkeit Jesu öffne dich für die Liebe.
Der Geist Gottes schenke dir Lebendigkeit.

Verfasst von Pfr. Ulrich Briesewitz / Freigericht


Quasimodogeniti am 19.4.2020

Liebe Gemeinde!

Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kinder, so heißt dieser erste Sonntag nach Ostern. In der alten Kirche kamen die Täuflinge aus der Osternacht in ihren weißen Taufkleidern noch einmal im Gottesdienst zusammen, darum kennen wir den Sonntag auch unter dem Namen „Weißer Sonntag“. In der katholischen Kirche wird die Erstkommunion gefeiert. Heute erinnern wir uns daran, dass Gott uns Hoffnung und Trost sein will und uns Kraft gibt, auch schwere Zeiten zu durchstehen.

Psalm 116 (EG 746)

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;
wenn der Herr tut dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem Herrn
im Lande der Lebendigen.
Wie soll ich dem Herrn vergelten
all seine Wohltat, die er an mir tut?
Ich will den Kelch des Heils nehmen
und des Herrn Namen anrufen.
Dir will ich Dank opfern
und des Herrn Namen anrufen.
Ich will meine Gelübde dem Herrn erfüllen
vor all seinem Volk
in den Vorhöfen am Hause des Herrn,
in dir, Jerusalem. Halleluja!

Gebet
Neue Hoffnung gibst du in unser Leben, Gott, unverhofftes Vertrauen, wo wir noch ängstlich sind.
Mit Jesus lässt du uns auferstehen.
Wir danken dir durch ihn, der unser Leben ist.

Impuls
„Hebt Eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies alles geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen, seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst Du denn, Israel, und Du Jakob sagst: „mein Weg ist Gott verborgen und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber? Weißt Du nicht, hast Du es nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wir nicht müde und matt. Sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.

Männer werden müde und matt, Jünglinge straucheln und fallen. Aber die auf den Herrn harren kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jes 40, 26-31)

Kaum zu glauben, dass diese Worte über 2400 Jahre alt sind, für Menschen geschrieben, die sich im Exil befinden. Sie sind so passend in diesen unseren Tagen, wir sind ja auch abgeschnitten von den Dingen und den Menschen, die uns wichtig sind. Ist das nicht auch ein kleines Exil? Und dann diese Worte! Sie sind fast so etwas wie eine Anleitung gegen die Furcht, die Sorgen und die Mutlosigkeit. Das beginnt ja schon mit dem ersten Satz: „Hebt Eure Augen in die Höhe!“ Machen Sie das einfach mal nach: Heben Sie den Kopf. Spüren Sie, dass sich dadurch Ihre ganze Körperhaltung verändert? Sie werden aufrechter, der Oberkörper wird weiter, sie bekommen mehr Luft, ihr Blick wird weiter. Sie fühlen sich selbstbewusster, stärker, dann schwindet die Panik.

Wenn wir unsere Augen heben, wenn wir aufrecht sind und stark, dann hat das Auswirkungen auf unser ganzes Leben. Es verändert die Sichtweise auf die Welt, auf uns selbst, auf unsere Mitmenschen und auf Gott, der unser Leben umgibt wie die Luft zum Atmen.

Ich weiß nicht, wie und ob sich unser Leben verändern wird, wenn die Coronakrise überstanden ist. Aber für die Israeliten, denen vor über 2000 Jahren dieses Wort galt, veränderte sich das Leben: Für sie gab es einen neuen Anfang. Ein Leben, das so ganz anders war als das vor dem Exil. Viel kleiner und bescheidener, viel angewiesener.

Aber: Unser Trostwort geht noch weiter: „Gott wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich, er gibt dem Müden Kraft und Stärke dem Unvermögenden“

Ich denke an die, die Unglaubliches geleistet haben in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten. Ich denke an die vielen Beschäftigten in den Krankenhäusern und Heimen. An die, die Doppelschichten leisten und mit ihren Ängsten irgendwie fertig werden müssen. Ich denke an Familienangehörige, die sich nun wieder rund um die Uhr um pflegebedürftige Angehörige kümmern, weil im Heim Aufnahmestopp ist. Ich denke an die vielen Menschen im Einzelhandel, die täglich in Gefahr sind und doch alles tun, um unsere Versorgung zu sichern. Ich denke an LKW Fahrer, die unsere wichtigen Güter hin und her transportieren….Ich hoffe, dass sie alle Kraft bekommen. „

Manchmal fühle ich mich aber wie eine von den Unvermögenden: Was kann ich tun? Woher bekomme ich die Stärke, die ich brauche? Vielleicht geht es darum, dass wir diese Hoffnungsbotschaft füreinander lebendig werden lassen. Füreinander weiterleben, was da seit 2400 Jahren in der Bibel zu lesen steht. Füreinander einstehen, uns gegenseitig helfen. Rücksicht nehmen. Gutscheine per Internet von denen kaufen, die derzeit ihre Geschäfte geschlossen halten müssen, an dem heimischen Nähmaschine provisorische Masken nähen. Telefonieren, Briefe schreiben und Mails verschicken und auf diese Weise von dem weitergeben, was uns selbst bewegt und Hoffnung gibt.

Und dann endet das Trostwort mit dem Satz: „Die auf Gott trauen, bekommen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ Klar, niemand von uns kann unendlich laufen und arbeiten. Und so kann das „Weitergeben von Gottes Botschaft“ in unseren Tagen eben genau dies bedeuten, dass wir uns gegenseitig entlasten. Dass wir für einen anderen laufen, damit der oder die einmal wieder ganz neu den Blick heben kann.

Die alten Worte bekommen ganz neue Aktualität in diesen Tagen. Manch einer und eine von uns hat auch gerade in dieser Krise begonnen, sich ganz neu mit der biblischen Botschaft auseinanderzusetzen. Und sei es nur mit Fragen „Wo bist Du da in allem eigentlich Gott?“, oder „wo ist mein Platz in dem allen?“, oder „kann ich Dir in dieser Situation vertrauen“, oder: „was willst Du mir jetzt sagen?“, oder „wie schaffe ich es überhaupt, mich in der Angst aufzurichten?“

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott auf Fragen antwortet. Durch kleine Botschaften in meinem Alltag. Durch Menschen. Durch bewegende Erlebnisse. Die Antwort kommt oft anders, als ich es erwartet habe. Sie kommt auch manchmal später, als ich es erhofft habe. Das mag auch Jesaja so erlebt haben, wenn er schreibt: Die auf Gott warten, bekommen neue Kraft. Warten: Es gehört Geduld dazu. Geduld, die viele von uns in diesen Wochen haben mussten und immer noch haben müssen.

Ich hoffe, dass wir alle diese Erfahrung machen können: Wir werden wieder aufatmen, Kraft bekommen und weiterlaufen können. Und ich wünsche mir, dass wir das nicht vergessen, was wir in dieser Zeit und unser Leben in ein ganz neues Licht stellen können und in ein ganz neues Miteinander finden werden. Amen.

Lied: EG 302: Du meine Seele singe

Fürbitten und Vaterunser

Die auf den Herrn harren kriegen neue Kraft.
Ja, um deine Kraft bitten wir dich,
denn wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen.
Zugleich sind wir uns darin nah und vertraut.
Was unsere Gemeinschaft gefährdet, macht uns auch stark.
Wir halten zusammen, wenn wir uns oft auch fremd sind.
Wir achten aufeinander. Entscheiden, was wirklich wichtig ist.
Wir öffnen Herzen, während andere noch hinter Türen warten müssen.
Wir werden uns nah, auch ohne uns die Hände zu reichen.
Wir können lachen und doch trauern um die Kranken und Sterbenden.
Wir sind eins im Handeln und im Sorgen und zum Wohl für uns alle.

Und so sind wir eins in dem Gebet, das du uns gelehrt hast und beten gemeinsam:

Vater unser im Himmel…

Segen

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir,
und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich,
und gebe dir seinen Frieden.

Verfasst von Pfarrerin Kerstin Reinold / Hasselroth


Andacht an Ostern

Frohe Ostern, liebe Gemeinde im Freigericht!
In diesen Zeiten von Corona kann niemand zum Ostergottesdienst in die Kirche gehen. Aber wer möchte, kann zuhause Gottesdienst feiern. Dafür einfach zum Osterfest diesem Ablauf folgen. Wer alleine feiert, liest die Texte für sich. In Hausgemeinschaft liest eine Person oder alle lesen gemeinsam im Wechsel.

Vorbereitungen
Eine schöne, große Kerze bereitstellen samt Streichhölzern, sowie Ostereier in der Anzahl der anwesenden Personen – und ein Evangelisches Gesangbuch, falls vorhanden.

Zu Beginn
Kerze anzünden.

Es ist Ostern. Dieses Ostern ist anders als alle Ostern bisher. Die Haustüren sind zu. Raus geht’s nur für das Nötigste. Ausnahmezustand – seit Wochen. Ostern ist ganz anders in diesem Jahr. Aber es fällt nicht aus! Christ ist erstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. So feiern wir auch dieses Jahr Ostern – im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet

Gott, es ist Ostern in ver-rückten Zeiten. Das Leben steht fast still draußen. Ich bin (wir sind) zuhause. Das ist zur Zeit Vorschrift. Und es ist so, als hätte jemand auch vor unsere Haustür einen schweren Stein gerollt. Wie lang wird das noch so gehen? Wann kehrt das normale Leben wieder zurück? Wann bricht der Stein? Wann stehen wir wieder auf? Niemand weiß es ganz genau. Aber du, Gott, lässt hoffen. Du bist schon auferstanden. Und so komme ich (kommen wir) auch irgendwann wieder heraus, stehen auf. Amen.

Aus der Bibel (Lukas 24,1-10 / Gute Nachricht):
Am Sonntagmorgen dann, in aller Frühe, nahmen die Frauen die wohlriechenden Öle, die sie sich beschafft hatten, und gingen zum Grab.

Da sahen sie, dass der Stein vom Grabeingang weggerollt war. Sie gingen hinein, doch der Leichnam von Jesus, dem Herrn, war nicht mehr da. Während sie noch ratlos dastanden, traten plötzlich zwei Männer in strahlend hellem Gewand zu ihnen. Die Frauen fürchteten sich und wagten sie nicht anzusehen; sie blickten zu Boden.

Die beiden sagten zu ihnen: »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier; Gott hat ihn vom Tod auferweckt! Erinnert euch an das, was er euch schon in Galiläa gesagt hat: ›Der Menschensohn muss den Menschen, den Sündern, ausgeliefert und ans Kreuz genagelt werden und am dritten Tag vom Tod auferstehen.‹

Da erinnerten sich die Frauen an seine Worte. Sie verließen das Grab und gingen zu den Elf und allen Übrigen, die bei ihnen waren, und berichteten ihnen alles. Es waren Maria aus Magdala und Johanna und Maria, die Mutter von Jakobus, sowie die anderen Frauen, die mit ihnen am Grab gewesen waren.

Andacht
Ostereier – das sind Zeichen des Lebens. Die roten und die blauen, die gelben und die grünen. Und die aus Schokolade auch. Immerhin gibt‘s Ostereier. Einkaufen geht ja noch. Zeichen des Lebens. Von außen sieht ein normales Hühnerei fast aus wie tot. Glatt ist seine Schale, glatt und hart. Aber innen, ja innen steckt das Leben. Von außen wie tot. Von innen aber bahnt sich das Küken seinen Weg durch die Schale und findet seinen

Weg ins Leben. Aus dem Tod kommt das Leben. Das sagt uns die Osterbotschaft vom auferstandenen Christus. Das Küken ist wie Jesus Christus. Wie das Küken aus der toten Schale bricht, steigt Christus aus dem Grab. Der Stein in weggerollt – wie gebrochen. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten. Er ist auferstanden“, heißt es in der Bibel. Das Ei zu Ostern schmeckt nach Aufsteh’n aus dem Tod. Das Ei zu Ostern schmeckt nach Leben nach dem Tod. Und natürlich gibt es Ostereier – auch im Corona-Jahr. Und irgendwann bricht auch der Stein, der vor unserer aller Haustür liegt. Und das Virus weicht. Und unser Leben kehrt zurück. Besuche und Umarmungen. Körperliche Nähe, die wir jetzt so sehr vermissen. Und Menschen sitzen im Café oder essen gemeinsam im Lieblings-Restaurant. Und Toilettenpapier  liegt in Regalen. Das Osterei schmeckt nach Leben, nach Leben nach dem Tod. Und wir alle stehen wieder auf. Amen.

Augenblick
Alle essen ein Osterei.

Eine Liedstrophe zum Singen EG 116, 3 (Er ist erstanden, Halleluja!):

Der Engel sagte: „Fürchtet euch nicht! Ihr suchet Jesus, hier ist er nicht. Sehet, das Grab ist leer, wo er lag: er ist erstanden, wie er gesagt.“ Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod. Sünd‘ ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja!

Fürbitte und Vaterunser

Gott, für alle, die sich in diesen Tagen, wie begraben fühlen: Lass sie das Leben spüren, lass sie auferstehn.
Gott, für alle, die Angst haben in diesen Wochen: Lass sie hoffen auch gegen die Angst, lass sie auferstehn.
Gott, für alle die gestorben sind in diesen Wochen: Lass sie auferstehn.
Gott, für mich (uns): Für alles, was ich (wir) auf dem Herzen habe – lass mich (uns) auferstehn.

Mit den Worten Jesu besten wir gemeinsam: Vater unser im Himmel …

Segen

Gott, segne und behüte uns. Lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden. Amen.

Die Kerze kann ruhig weiter leuchten!

FROHE OSTERN!
Wünscht Ihnen Ihre evangelische Johanneskirchengemeinde im Freigericht
Pfarrerin Bettina von Haugwitz & Ursula Günther (Vorsitzende des KV)


Andacht zu Karfreitag

Liebe Gemeinde im Freigericht!
Legen Sie eine Bibel auf ein schwarzes Tuch und Stellen Sie eine angezündete Kerze und, wenn Sie haben, auch ein Kreuz dazu.

Kommen Sie innerlich zur Ruhe.

Eröffnung
„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Diesen Vers hören wir zu Weihnachten und hören ihn wieder am Karfreitag. Weihnachten kam Gottes Sohn in die Welt, Karfreitag hat er das irdische Ziel erreicht. Das Kreuz. Am Ziel und doch verlassen. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lied: Singen Sie wenn Sie mögen ein paar Strophen von „Herzliebster Jesu“, (EG 81)

Psalm 22
Lesen Sie (im Wechsel).

I: Mein Gott, Mein Gott, warum hast du mich verlassen. Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht. Und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

II: Du aber bist heilig. Der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich. Und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet. Sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

I: Aber du Herr, sei nicht ferne; meine Stärke, eile mir zu helfen. Rühmet den Herrn, die ihr ihn fürchtet; denn er hat nicht verachtet das Elend der Armen. Und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und als er zu ihm schrie, hörte er’s. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Gebet

Geheimnisvoller Gott, dein Sohn wird uns Menschen gleich und steigt herab in das Dunkel. Er schreit nach dir in seiner Not. Du verbirgst dich und bist doch gegenwärtig mit deiner bergenden Nähe. Erbarme dich unser! Amen.

Evangelium (Teil 1)
Lesen Sie aus der Bibel Matthäus 26,69 bis 27,30

Stille

Evangelium (Teil 2)
Lesen Sie nun Matthäus 27,31-56

Vorschläge anstelle einer Predigt
Meditieren Sie den Text in einer Zeit der Stille. Versuchen Sie 5 Minuten zu schweigen.

Oder/Und tauschen Sie sich untereinander aus: Was bedeutet Jesu Tod für mich persönlich. Kann und will ich das überhaupt annehmen? Welches „Kreuz“ habe ich zu tragen?

Oder/Und hören Sie über YouTube bzw. aus Ihrem CD-Regal eine Arie aus der Matthäuspassion oder Johannespassion von Bach (z.B. „Es ist vollbracht“).

Fürbitten
Beten Sie laut (im Wechsel):

I: Jesus Christus, gekreuzigter und auferstandener Herr, wir sehen dein Kreuz. Du gehst den Weg der Hingabe und des Leidens. Du verzichtest auf alle Macht. Du lässt dich hineinziehen in das Elend der Welt. Höre unsere Bitten:

II: Wir sehen dein Kreuz und erkennen die Bosheit und den Unfrieden der Welt. Lass uns nicht wegschauen, wenn Unrecht geschieht. Hilf uns, eigenes Lied anzunehmen und fremdes Leid mitzutragen. Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

I: Wir sehen dein Kreuz und erkennen die Willkür der Mächtigen. Lass uns den Weg zu den Gescheiterten finden, zu denen, die beiseite geschoben werden beim Streben nach Macht und Erfolg. Hilf uns, für sie einzutreten. Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

II: Wir sehen dein Kreuz und erkennen wie hart und gnadenlos Menschen miteinander umgehen. Hilf uns, barmherzig zueinander zu sein, auch zu Menschen, die uns unbequem sind. Bewahre uns vor Selbstgerechtigkeit. Lass nicht zu, dass wir einander verurteilen. Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

I: Wir sehen dein Kreuz und erkennen die Krankheit der Welt. In diesen Tagen bitten wir dich für alle Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert sind um Heilung. In diesen Tagen bitten wir dich für unsere infizierte Welt: Um Gesundung, um Vernunft, um Normalität. Christus, Herr der Welt, wir rufen zu dir: Herr erbarme dich.

Vaterunser

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen.

Pusten Sie nun die Kerze aus und verhüllen Sie ggf. das Kreuz mit dem schwarzen Tuch.

Singen Sie, wenn Sie mögen noch ein Abschlusslied. Z.B. „O Haupt voll Blut und Wunden“ (EG 85, 1.6.9) oder „Korn das in die Erde (EG 98).

Abschluss
Nun geht in die vor uns liegende Zeit im Frieden des Herren. Drei Tage war Christus tot, nach dem dritten Tage wird auch dieser Gottesdienst weitergehen und erst an Ostern mit dem Segen enden.

Wir setzen uns mit Tränen nieder und rufen dir im Grabe zu: Ruhe sanfte, sanfte Ruh! Amen.


Andacht zum Palmsonntag / 5.4.2020

Liebe Gemeinde im Freigericht!

Überall in unserer Gegend hängen sie: die Regenbögen. Von vielen Kindern gemalt und oft steht darunter: „Wir bleiben zu Hause“, „Wir schaffen das“, oder „Bleibt gesund“. Mich berühren diese Bilder sehr, denn ich fühle mich von den Kindern ermutigt, nicht den Kopf hängen zu lassen, sondern zuversichtlich zu sein, dass wir es alle gemeinsam schaffen, diese Krise zu überstehen.

Und ich mag dieses Symbol des Regenbogens, denn in der Bibel wird uns erzählt, dass Gott einen Regenbogen als Zeichen seines Bundes mit dem Menschen an den Himmel setzt. Ein Zeichen dafür, dass Krisen überwunden werden können, dass es einen Neuanfang gibt und dass Gott in schweren Zeiten für uns da ist.

Der Regenbogen zeigt: Gott hört uns. Er bleibt uns treu. Er gibt uns sogar sein Versprechen, dass es einen Neuanfang gibt, wenn er sagt: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Das heißt doch: Das Leben wird weiter gehen.

Und mitten in der größten Krise erleben wir das ja auch: Die Natur erwacht. Die Gärten und Wiesen sind voller Frühlingsblumen, Gemüse wird gesät, die Tage sind licht und sonnig, nachts hüllt uns die Dunkelheit beruhigend ein.

Aber Gottes Versprechen, dass das Leben weiter geht, nimmt uns auch in die die Verantwortung für dieses Leben: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, wird uns aufgetragen. Und wie viele Zeichen von Nächstenliebe, Hilfe, Unterstützung und Engagement können wir nicht gerade in diesen Tagen erleben? Nicht zuletzt auch von den Kindern und ihren Regenbogen- Botschaften?

Und nicht nur die Natur, sondern auch das Evangelium für den Palmsonntag, der vor uns liegt, zeigen: Das Leben, das Mitgefühl und die Hilfe – ja die Liebe siegt!

Und darum lade ich Sie heute zu einem Spaziergang ein. Sie können ihn alleine oder in der Familie machen, und Sie müssen für ihn gar nicht das Haus verlassen, sondern Sie können ihn auch von Ihrem Fenster oder Balkon oder von der Terrasse aus, mit Blick in den Garten oder die Natur machen.

Sich einfinden
Werden Sie still. Schließen Sie für einen Moment die Augen. Nehmen Sie die Geräusche wahr, die da sind. Lauschen Sie dem Gesang der Vögel, dem Plätschern des Wassers, dem Wind in den Ästen….

Einer /eine spricht ein Gebet:

Gott, Schöpfer der Welt,
öffne unsere Augen, um deine Gegenwart zu sehen,
unsere Seelen, um deine Gegenwart zu fühlen,
unsere Herzen, um deine Gegenwart zu lieben,
hier in deiner Schöpfung
und einst in deiner Ewigkeit.
Amen.

Sich verbinden
Machen Sie sich nun in Gedanken auf den Weg. Überlegen Sie, wie es Ihnen heute geht. Was beschäftigt mich? Wenn Sie mit jemandem zusammen sind, erzählen Sie es dem anderen, ohne dass er es kommentiert. Wenn alles gesagt ist, was gesagt werden soll, schenken Sie einander oder Ihnen selbst diesen kleinen großen Zuspruch: „Mit und in allem was ist: Gott ist da und hört mich.“

Liesen Sie nun alleine oder miteinander den Bibeltext des Sonntags: Markus 14, 1-9

Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten.

Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe. Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goß es auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Laßt sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Dieser Text erzählt von großer Fürsorge. Die unbekannte Frau will Jesus etwas Gutes tun. Vielleicht spürt sie, welchen Weg er vor sich hat, wie viel Kraft er brauchen wird, wie ihn sein Weg auch in tiefe Verzweiflung und Gottesferne führen wird, und sie will ihn stärken, Mut und Kraft schenken, indem sie ihn salbt. Es ist ein Zeichen von Achtung und Fürsorge.

Wenn Sie nun einen Blick in den Garten, in die Natur werfen, welche Spuren der Fürsorge Gottes in der Schöpfung können sie wahrnehmen: Neben noch kahlen Bäumen werdet Sie vielleicht Bäume und Büsche entdecken, die schon in voller Blüte stehen. Zwischen vertrocknetem Gras vom Vorjahr wachsen frische, grüne Halme. Wenn Sie doch nach draußen gegangen sind, zu einem Spaziergang, halten Sie Ausschau nach Buschwindröschen und anderen Frühblühern. Vielleicht treffen Sie auf eine Herde von Schafen mit ihren Lämmern. Nehmen Sie die Gerüche wahr, vielleicht ist die Luft noch kühl, doch wenn die Sonne scheint, dann halten Sie ihr Gesichter für ein paar Augenblicke in die wärmenden Strahlen und spürt den Unterschied.

Antwort geben
Und nun überlegen Sie: Was stärkt und tröstet mich? Erwächst daraus ein konkretes Vorhaben für die nächste Woche? Und Sie können Gott die Menschen ans Herz legen, die in dieser verunsicherten Zeit ganz besonders Gottes Trost brauchen.

Gebet

Wohin wir uns auch wenden, Gott,
erblicken wir dein Angesicht,
finden Spuren deiner Sorge für diese Welt.
Wir bitten dich:
Tröste wie eine Mutter alle, die sich in diesen Tagen um einen kranken Menschen sorgen….
Tröste alle, die sich in diesen Tagen einsam und allein fühlen…
Tröste alle, die sich in diesen Tagen um ihre materielle Sicherheit sorgen….
Lass uns stark sein mit einander und für einander,
achtsam und besonnen,
verbunden mit dir und allem, was lebt.

Und wir sprechen mit- und füreinander das Vater Unser.

Segen erbitten

Segne uns, Gott,
die Erde unter unseren Füßen,
segne uns, Gott,
den Weg, auf dem wir gehen,
segne uns, Gott,
das, was wir so sehr wünschen.
Du, der du ewig bist,
segne uns unsere Rast.
Segne uns,
worauf sich unser Glaube richtet.
Segne uns,
worauf sich unsere Liebe richtet.
Segne uns,
worauf sich unsere Hoffnung richtet.
Gott des Lebens,
segne uns den Blick unserer Augen und Herzen.
Amen.


Andacht für den Sonntag Judika / 29.3.2020

Liebe Gemeinde im Freigericht!
Wir beginnen die Andacht mit einem Psalm:

Psalm 43 (EG 724)

Gott, schaffe mir Recht
und führe meine Sache wider das unheilige Volk
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Denn du bist der Gott meiner Stärke:
Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich dränget?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes,
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Andacht: Wir haben hier keine bleibende Stadt, aber die zukünftige suchen wir (Hebräer 13, 14)
Alles ist anders. Nichts mehr wie es einmal war. Gewohnte Abläufe gehen nicht mehr: Einkaufen, zur Schule gehen, Freunde treffen, eine Umarmung zur Begrüßung… Jetzt gilt Abstand halten als Zeichen der Zugewandtheit, ebenso wie einen Mundschutz tragen. Wir lernen ganz neue Verhaltensweisen.

Wir müssen in diesem Tagen Abschied nehmen von Gewohntem und Liebgewonnenem. Und viele von uns sogar von ihrer wirtschaftlichen Existenz. Es ist noch nicht abzusehen, was diese Krise mit uns machen wird. Aber auf jeden Fall müssen wir eine neue Zukunft suchen. Die Krise zeigt uns deutlich: Nichts ist sicher im Leben. Worauf wir heute so fest gebaut haben, das kann morgen schon in sich zusammenstürzen.

Aber, auch das zeigt die Krise: Wir Menschen brauchen eine Heimat, Wurzeln, einen sicheren Halt. Je unsicherer die Welt wird, desto mehr sehnen wir uns nach Ankommen, Bleiben, nach Menschen, die da sind und uns Schutz und Halt, eine Richtung geben. In diesen Tagen dürfen nur diejenigen in Kontakt sein, die miteinander leben in einer Familie oder Wohngemeinschaft. Wir spüren, wie kostbar es ist, jemanden zu haben, der bei mir ist. Umso schwerer für die Alleinstehenden oder die Familie, in der die Konflikte schon lange schwelen. Aber ebenso stark ist die Sehnsucht, endlich wieder Kontakt nach draußen zu haben, zu den anderen. Unser Leben, unser Alltag, unser sonst so festes Haus ist verunsichert.

Was gibt nun Halt? Wo finden wir ein festes Zuhause in aller Unsicherheit?

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt“ – so ist es. Ja, so spüren wir es in diesem Tagen. Aber diese Worte sind nicht nur eine Zustandsbeschreibung, zugleich sagt dieser Satz doch auch: Veränderungen können wir uns stellen, denn wir haben eine Hoffnung, einen Halt in allen Veränderungen: „sondern die zukünftige suchen wir“. Ja, das hier ist noch nicht alles. Es ist nicht das Ende, sondern da warte eine zukünftige, andere Stadt auf uns. Eine Heimat, in der wir wirklich zu Hause sein können.

Das ist für mich keine Weltflucht a la „im Himmel wird alles gut“, sondern eine tiefe Hoffnung und ein großer Halt: Eine Bestärkung zum Leben allen Veränderungen, allen Enttäuschungen und Seufzern zum Trotz.

Wir dürfen in der Hoffnung leben, dass Gott uns begleitet und wir zusammen mit ihm auf eine gute Zukunft zugehen. Nicht ins Leid wird uns hier der Weg gewiesen, sondern zur Nähe mit Gott. Zur Begegnung mit Gott. Zur Zukunft mit Gott. Und das können wir hier und jetzt schon spüren: Indem wir füreinander da sind, für- und miteinander beten und wissen: In Gott habe ich einen festen Halt und ein Zuhause. Er schenkt mir Zukunft und Hoffnung.

Zwischen Sehnsucht nach einem Zuhause und Aufbruch in die Zukunft, das ist unsere Existenz. Aber wir gehen diesen Weg nicht alleine. Gott geht mit. Ihm dürfen wir uns anvertrauen, an seiner Zusage nach einer guten Zukunft dürfen wir festhalten. Und hoffentlich in eine veränderte Zukunft gehen, in der wir aus der Krise gelernt haben, was Mitmenschlichkeit und Solidarität, gegenseitige Hilfe und füreinander da sein bedeuten.

Zwischen Sehnsucht nach einem Zuhause und Aufbruch in die Zukunft liegt unsere Existenz. Die Lyrikerin Mascha Kaleko weiß um diese Spannung. Darum nennt sie ihr Gedicht „Rezept“.
„Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit“

Lied: EG 545: Wir gehen hinauf nach Jerusalem

Gebet

Gott, du verbindest uns Menschen.
In Angst und Unsicherheit werden wir uns nah.
Plötzlich sind wir Nächste, die wir es gestern noch nicht waren.
Wir teilen Fragen und Sorgen,
Nicht-Wissen und doch Ahnen, was da kommen kann.
Die einen mögen bewahrt bleiben.
Andere werden um ihr Leben kämpfen.
Gelassen und voller Sorgen könnte unser Alltag werden.
In den kommenden Wochen und heute schon
bitten wir für alle Kranken und die es werden,
die Angst haben, dass der Virus sie erreicht,
für alle Ärztinnen und Pflegenden,
für die, die in diesen Tagen um ihre Existenz bangen.
Wir bitten dich, dass Du uns alle bewahrst in diesen schweren Zeiten,
sei Du der, der uns eint,
als die die glauben und auch die es nicht tun.
Wir Menschen sind verbundene,
aufeinander angewiesene,
miteinander helfende.
Du verbindest uns Menschen, Gott.

Vaterunser

Aktion: Bleiben Sie miteinander verbunden. Schicken Sie eine Postkarte an einen Menschen, dem Sie Mut machen wollen.